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Offiziell leben in Österreich 13 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Die Dachorganisation der karitativen Verbände schätzt, dass es in Österreich zwischen 1.000 und 2.000 Obdachlose gibt, dazu 19.000 Menschen, die in Flüchtlingsunterkünften oder Obdachlosenasylen leben. In 2002 waren 80.000 Menschen in Gefahr, ihre Wohnung zu verlieren, weil sie ihre Miete nicht mehr bezahlen konnten.
Was war der Auslöser für Euch, Eure Straßenzeitung ins Leben zu rufen ?
Obwohl Salzburg eine reiche Stadt ist, gab es immer Obdachlosigkeit. Offiziell leben 700 Menschen in Asylen oder leben auf der Straße. Experten rechnen zusätzlich mit der gleich hohen Zahl als Dunkelziffer. Unsere Organisation „Soziale Arbeit GmbH" arbeitet auf dem Gebiet der Obdachlosigkeit bereits seit 15 Jahren. Im Jahr 1997 wurde eine Strassenzeitung gestartet, um Obdachlose zu ermutigen, sich selbst zu helfen. Zu dieser Zeit existierten schon 3 Straßenzeitungen in Österreich: Augustin (Wien), Megaphon (Graz) und Kupfermuckn (Linz). Heute gibt es 6 Strassenzeitungen in Österreich. Hinzu kamen: Zwanzger (Innsbruck) und Eibischzuckerl (Wiener Neustadt).
Was hat Eure Straßenzeitung erreicht ?
Bis heute haben mehr als 500 Verkäufer unsere Zeitung verkauft und viele von ihnen haben Artikel für Apropos geschrieben. Die Mehrheit von ihnen hat durch den Straßenzeitungsverkauf mehr Stabilität in ihrem Leben, haben sich persönlich weiterentwickelt, mehr Selbstvertrauen und ihr persönliches soziales Netz um ihren Verkaufsplatz herum aufgebaut. Viele haben jetzt eine Wohnung und einige eine feste Arbeit.
Durch ihre Präsenz in der Öffentlichkeit haben sie schrittweise die öffentliche Wahrnehmung von und Meinung über Armut und Obdachlosigkeit verändert. Früher haben sich manche Leute von den Verkäufern gestört und provoziert gefühlt. Heute sind die Apropos-Verkäufer hoch geschätzt, akzeptiert und gehören in der Stadt dazu.
Welchen Einfluss hat die soziale/wirtschaftliche/politische Situation des Landes auf Eure Straßenzeitung ?
Obdachlosigkeit ist in Österreich nicht so offensichtlich wie in anderen Ländern - aber sie existiert. Von Beginn an sind wir durch die regionalen Behörden gefördert worden, diese sehen unser Engagement als wichtig für die Reintegration von Obdachlosen in die Gesellschaft an.
Armut und Obdachlosigkeit sind häufig Thema in den Medien während der Weihnachtszeit, aber sonst wird darüber nur wenig berichtet. Apropos versucht, Bewusstsein dafür zu wecken durch professionelle, von Journalisten verfasste Artikel und authentische Texte, die von Verkäufern oder Autoren aus anderen Randgruppen geschrieben wurden. Dieser Ansatz wird von unseren Lesern sehr geschätzt.
Welche Entwicklung wird Eure Straßenzeitung über die nächsten 5 Jahre nehmen ?
Wie jede Straßenzeitung wollen wir unsere Verkaufzahlen steigern und unsere Leserschaft ausbauen und so das Verständnis für die Nöte sozialer Randgruppen verbessern. Ausserdem wollen wir, dass unsere Verkäufer mehr Stabilität in ihrem Leben erfahren.